Schmerz als Lust I: Gemeinsame Wege

Warum gilt Impact Play überhaupt als Fetisch? Wie kann eine Handlung, die auf Schmerz basiert, als sexuell angesehen werden? Was genau macht Schmerz erotisch? Einige Antworten darauf habe ich bereits in früheren Artikeln gegeben, doch dann ging ich noch einen Schritt weiter: Ich recherchierte in der wissenschaftlichen Literatur nach weiteren Antworten und neuen Erkenntnissen.

Interessanterweise schenkte die Wissenschaft diesen Fragen bis vor Kurzem wenig Beachtung oder tat sich schwer, sie zu beantworten. Der Artikel, den ich nun zusammenfassen werde, bietet jedoch eine außerordentlich aufschlussreiche und umfassende Perspektive auf dieses Thema, daher werde ich hier nur eine kurze Zusammenfassung geben.

***
Cara R. Dunkley, Craig D. Henshaw, Saira K. Henshaw & Lori A. Brotto (2019). Körperlicher Schmerz als Lust: Eine theoretische Perspektive, The Journal of Sex Research. DOI: 10.1080/00224499.2019.1605328
***

Aufbauend auf unseren früheren Arbeiten zur Schmerzverarbeitung und veränderten Bewusstseinszuständen, indem er die Überschneidungen und das dynamische Zusammenspiel der neurologischen und psychologischen Systeme, die Schmerz und Lust steuern, in den Fokus rückt. Anstatt diese Empfindungen als getrennt oder gegensätzlich zu betrachten, zeigt er, dass sich die Schmerz- und Lustsysteme des menschlichen Körpers teilweise überschneiden.


Eine erneute Betrachtung der Schmerz-Lust-Dichotomie

Frühere wissenschaftliche Studien betonten, dass die Schmerzwahrnehmung nicht bloß eine sensorische Reaktion ist, sondern von kognitiver Bewertung, Aufmerksamkeit und emotionalem Zustand beeinflusst wird. Ebenso können Achtsamkeit und fokussierte Aufmerksamkeit das Schmerzerleben verändern, indem sie die übergeordnete Kontrolle und die Emotionsregulation verbessern. Dieser Artikel erweitert diese Perspektive, indem er integriert, wie Lustmechanismen mit Schmerzkreisläufen interagieren und so ein komplexes Schmerzerleben anstelle einer einfachen Dichotomie (Schmerz ODER Lust) erzeugen.

Der Schlüssel zu dieser Integration liegt in der Vorstellung, dass das Belohnungssystem und das limbische System des Gehirns (die traditionell mit Vergnügen und Motivation in Verbindung gebracht werden) unter bestimmten Umständen, wie zum Beispiel bei einvernehmlichem BDSM, durch nozizeptive (schmerzhafte) Reize aktiviert werden können, wodurch die subjektive Schmerzerfahrung in eine Erfahrung von Vergnügen und Belohnung umgewandelt wird.


Vorherige
Vorherige

SCHMERZ ALS GENUSS II: Konvergenz auf Systemebene

Nächste
Nächste

DIE NEUROCHEMIE DES SCHMERZES II: Der Zeitpunkt ist entscheidend