VERÄNDERTER BEWUSSTSEINSZUSTAND IV: Das „Paket“
Inwieweit Menschen im Impact Play einen veränderten Bewusstseinszustand erreichen, hängt niemals allein von unseren Anstrengungen und Fähigkeiten als Top ab. Die Fähigkeit, einen solchen Zustand zu erreichen und aufrechtzuerhalten, ist individuell sehr unterschiedlich. Diese Unterschiede werden sowohl von situativen Faktoren (z. B. Umgebung, Stimmung, Vertrauen – Faktoren, die wir kontrollieren können) als auch von stabilen Persönlichkeitsmerkmalen beeinflusst, von denen einige genetische Komponenten aufweisen und somit außerhalb unserer Kontrolle liegen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass man die Erfahrung einer anderen Person beim Impact Play – oder bei jeder anderen tranceinduzierenden Interaktion – niemals vollständig kontrollieren kann. Egal wie sorgfältig die Szene gestaltet oder wie erfahren der Praktizierende ist, jeder Mensch bringt einzigartige Eigenschaften in die Erfahrung ein, die oft biologisch und genetisch. Manche Menschen gelangen leicht in tiefe veränderte Bewusstseinszustände, während andere eher an der Oberfläche bleiben. Berücksichtigt man zudem die genetische Variabilität der Schmerzwahrnehmung und das komplexe Zusammenspiel individueller neuronaler Systeme, wird deutlich, dass ein wesentlicher Teil der Erfahrung außerhalb der eigenen Kontrolle liegt. Man kann lediglich einen Rahmen schaffen, der die natürlichen Eigenschaften der Person unterstützt und verstärkt.
Faktoren, die in veränderten Bewusstseinszuständen außerhalb unserer Kontrolle liegen:
Genetik. Studien deuten darauf hin, dass die individuelle Anfälligkeit für tranceartige oder veränderte Bewusstseinszustände teilweise genetisch bedingt ist – Schätzungen liegen oft bei 30–50 % der Varianz, abhängig von der Studie und dem jeweiligen Messkriterium (z. B. Hypnotisierbarkeit, Absorptionsfähigkeit oder Schmerzmodulation). Dies macht einen großen Teil der Erfahrung aus!
Hungergefühl. Der Blutzuckerspiegel beeinflusst Konzentration, Stimmung und Schmerztoleranz. Hunger kann es erschweren, in veränderte Bewusstseinszustände zu gelangen, doch sobald dieser Zustand erreicht ist, wird die Erfahrung meist intensiver.
Schlafdauer. Schlafmangel beeinträchtigt die Emotionsregulation und erhöht die Schmerzempfindlichkeit, wodurch es oft schwieriger wird, in einen tranceähnlichen Zustand einzutreten oder diesen aufrechtzuerhalten.
Emotionaler Zustand. Stress, Angst oder Grübeleien können die Aufmerksamkeit ablenken, während Ruhe oder positive Erwartung das Eintauchen in die Sitzung fördern. Manche Menschen berichten von einer persönlich schwierigen Situation, beispielsweise nach einer Trennung – dies führt naturgemäß zu einer Verschiebung der Emotionen ins Negative während der Sitzung. In diesem Fall kann eine Impact-Session tatsächlich sehr therapeutisch wirken (aber keine Therapie!).
Subjektives Sicherheits- und Vertrauensgefühl. Die Fähigkeit loszulassen wird stark von der persönlichen Geschichte, Bindungsmustern und früheren Erfahrungen geprägt. Selbst in einer sicheren Umgebung fällt es manchen Menschen schwerer als anderen, sich hinzugeben – auch dies ist ein Faktor, den wir nie vollständig kontrollieren können.
Hormonelle und neurochemische Schwankungen. Beispielsweise können Menstruationszyklusphasen, Cortisolspiegel (im Grunde Stress) oder der Endorphin-Basisspiegel die Schmerzwahrnehmung und die Intensität veränderter Bewusstseinszustände beeinflussen.
Sensibilität für Rhythmus und Sinnesreize. Manche Nervensysteme reagieren von Natur aus stärker auf repetitive Reize (Geräusche, Berührungen, Stöße), was den Eintritt in Trance erleichtert. Ja, dieser Aspekt steht in engem Zusammenhang mit Neurodivergenz.
Vorerfahrung mit veränderten Bewusstseinszuständen. Obwohl diese im Moment nicht „kontrollierbar“ sind, kann die bisherige Erfahrung einer Person mit Meditation, Hypnose oder tiefem Spiel beeinflussen, wie leicht sie in veränderte Bewusstseinszustände gleitet, und frühere Erfahrungen bieten einen ersten „Vorgeschmack“ auf unsere Sitzung.
Seien Sie sich also der individuellen Voraussetzungen bewusst, die eine Person in die Sitzung mitbringt, und respektieren Sie diese – unsere Aufgabe ist es, sie dort abzuholen, wo sie steht.Im nächsten Teil (Teil 5) werden wir uns damit beschäftigen, warum man sich all die Mühe macht: Warum fühlt sich ein durch einen Einschlag hervorgerufener veränderter Bewusstseinszustand überhaupt so gut an?