Veränderter Bewusstseinszustand III.: Kommunikation

Kommunikation ist im Impact Play von entscheidender Bedeutung – nicht nur als Methode der Einleitung (z. B. um Vertrauen aufzubauen, Erwartungen zu steuern, Grenzen zu setzen usw.), sondern auch zur Gestaltung des Erlebnisses selbst. Die Macht der Kommunikation sollte niemals unterschätzt werden! Der Placebo-Effekt ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie wichtig Glaube, Erwartung und zwischenmenschliche Suggestionen sind: Etwa 35 % der Patienten berichten nach der Einnahme eines Placebos von einer deutlichen Schmerzlinderung. Das ist die Hälfte der Wirkung von Morphin, das bei etwa 70 % der Patienten Schmerzen lindert!

Bild mit freundlicher Genehmigung von Stefan Keller von Pixabay

In veränderten Bewusstseinszuständen verarbeitet das Gehirn Kommunikation anders. Menschen äußern sich typischerweise weniger verbal und reagieren stärker auf nonverbale Signale, Tonfallund emotionale Kontexte. Ihre kognitive Kapazität verringert sich, wodurch kurze, direkte Anweisungen deutlich effektiver sind als abstrakte oder komplexe Sprache. Die Betroffenen sind offener für Anweisungen– nicht aus blindem Gehorsam, sondern weil ihre üblichen kritischen Filter gelockert werden. Vertrauen und Sicherheit sind daher entscheidend. Wenn beispielsweise ein Dom versehentlich einen härteren Schlag ausführt als beabsichtigt, kann seine Reaktion die Sicherheit entweder stärken oder die emotionale Integrität der Szene zerstören – viel stärker als außerhalb dieser Szene. Ein einfaches Einverständnis – verbunden mit einer Reduzierung der Intensität – kann das Vertrauen erhalten. Panik oder übermäßige Entschuldigungen hingegen können bei der Person, die ausgepeitscht wird, Angst auslösen und den Fluss unterbrechen.

Einige wichtige Punkte:

  • Stellen Sie stets sicher, dass Sie ein vorher vereinbartes Pausensystem haben. Ob es sich um ein Ampelsystem (rot-gelb/orange-grün) oder ein subtileres System von 1-10 zur Angabe des Unbehagensgrades handelt – es ist absolut entscheidend.

  • Anweisungen sollten kurz und prägnant sein. Kurze, direkte Formulierungen sind leichter verständlich als lange oder vage. Zum Beispiel:

    • Statt „Könntest du deine Hand etwas tiefer legen?“ → sag „Hände auf Kopfhöhe“ oder „Hände hinter den Rücken“.

    • Statt „Vielleicht ein bisschen umdrehen?“ → sag „Dreh dich zur Wand“.

    • Vermeiden Sie mehrstufige Anweisungen. Teilen Sie komplexe Anweisungen in einzelne Aktionen auf: Anstatt „Dreh dich um und knie dich auf das Kissen“ zu sagen, sagen Sie „dreh dich um“ → Pause → „knieb dich auf das Kissen“.

  • Vermeiden Sie Negationen. In veränderten Bewusstseinszuständen überhört das Gehirn oft das „nicht“ und nimmt nur das Handlungswort wahr.

    • Statt „Dreh deinen Kopf nicht“ → sag „Halte deinen Kopf gerade“ oder „Schau nach vorn“.

    • Statt „Beuge deine Knie nicht“ → sag „Halte deine Beine gerade“.

  • Setzen Sie Ihre Sprache mit Bedacht ein. In einem Zustand höchster Konzentration hat jedes Wort eine gesteigerte Bedeutung.

    • Sobald eine Sitzung beginnt, vermeide ich gerne negativ konnotierte Wörter wie „Schmerz“. Ich ersetze sie durch neutralere oder konstruktivere Begriffe: „Intensität“, „Druck“, „die Peitschen, die Ihre Haut berühren“.


Die Bedeutung nonverbaler Kommunikation

Veränderte Kommunikationszustände sind primär nonverbal. Wie stark Menschen zwischen verbaler und nonverbaler Ausdrucksweise wechseln, ist individuell verschieden. Da die meisten ihre eigenen Tendenzen nicht kennen, ist es wichtig, diesen Aspekt in den Vorgesprächen zu berücksichtigen und auf nonverbale Signale im Verlauf der Sitzung zu achten. Nonverbale Signale wie Handzeichen, Gesten oder Veränderungen der Körperhaltung sind entscheidend für die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Verbindung.

  • Vorab vereinbarte Signale. Als zweite Sicherheitsmaßnahme lege ich gerne einfache Signale fest, bevor das Spiel beginnt. Zum Beispiel:

    • Ein Handheben bedeutet „Pause“

    • Zweimaliges Klopfen auf das Bein = „Sofort anhalten“

  • Mimik und Körpersprache. Generell (wenn auch nicht immer) deuten große Muskelbewegungen wie Hocken, Durchdrücken des Rückens oder Zehenspitzenstand eher auf positive Schmerzen – Empfindungen, die der Körper zwar als intensiv, aber dennoch willkommen wahrnimmt. Kleine, schützende Reaktionen wie das Ballen der Finger, das Einziehen des Kopfes oder plötzliche Beinbewegungen sind hingegen häufiger Anzeichen für starke Schmerzen oder Unbehagen. Im Zweifelsfall ist es wie immer ratsam, nachzufragen und die Ursache zu klären.

  • Die Atmung als Signal. Tiefe, gleichmäßige Atmung kann auf einen gesunden Fluss hindeuten, während flache Atmung auf Stress oder Überstimulation hinweisen kann.

  • Berührung als beruhigende Geste. Eine sanfte Hand auf Rücken, Schulter oder Hüfte kann die Verbindung wiederherstellen, ohne den Fluss zu unterbrechen. Ich achte auch darauf, den Körperkontakt beim Wechseln der Flogger beizubehalten, damit der Fluss nicht gestört wird.

  • Blickkontakt. Ein kurzer Blickkontakt kann als schnelle Überprüfung dienen, insbesondere wenn Ihr Gegenüber bereits in tiefe Trance versunken ist.

  • Beständigkeit schafft Vertrauen. Die Verwendung desselben nonverbalen Kommunikationssystems über einen längeren Zeitraum hinweg hilft beiden Partnern, intuitiv zu reagieren, selbst wenn die andere Person nicht sprechen kann.


Kommunikation auf die nächste Stufe heben

Ich persönlich nutze gerne die Sprache meines Gegenübers als zentralen Kommunikationsansatz. Einmal sagte mir beispielsweise eine Frau in den Vorgesprächen, sie wolle schweben. Während unserer Sitzung fragte ich daher regelmäßig nach, ob sie „abhebt“, ob sie „über dem Boden ist“ und vergewisserte mich vor dem intensivsten Teil, ob sie bereit sei zu „schweben“. Ich ermöglichte ihr das gewünschte Erlebnis genau so, wie sie es sich vorgestellt hatte.

Doch einmal verlangte jemand bereits nach fünf Minuten nach Beginn unserer Session nach meiner schwersten Peitsche – lange bevor er bereit dafür war. Also baute ich ein kleines Spiel ein: Ich ermutigte ihn, zunächst meine anderen Peitschen zu ertragen und seinen Körper meinen „Mädchen“ zum Spielen anzubieten. Als der richtige Zeitpunkt gekommen war und ich dies deutlich kommuniziert hatte, holte ich schließlich meine schwerste Peitsche hervor. In diesem Moment war das Machtgleichgewicht in unserem Spiel wiederhergestellt, und ich konnte uns sicher in den intensivsten Teil der Session führen.

Meiner Erfahrung nach geben mir 95 % der Teilnehmenden etwas Persönliches, meist im Zusammenhang mit ihren Erlebnissen, das Sie im Gespräch nutzen können. Verwenden Sie diese Informationen, um die Sitzung weiterzuentwickeln. Viel Erfolg und lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf!



Im nächsten Teil (Teil 3) werden wir die Aspekte der Sitzung untersuchen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen: die Genetik und die jeweilige Geisteshaltung der Teilnehmer.



Vorherige
Vorherige

VERÄNDERTER BEWUSSTSEINSZUSTAND IV: Das „Paket“

Nächste
Nächste

VERÄNDERTER BEWUSSTSEINSZUSTAND II: Die Eckpfeiler